Stand: 9. September 2026 · Sieben Arbeiten zum Mitschreiben von Essen, Training und Gewicht
Exelery wirbt mit Zahlen aus Fachzeitschriften. Damit man sie nachprüfen kann, stehen sie hier vollständig: was die Arbeit gefunden hat, welche DOI dazugehört – und was sie ausdrücklich nicht belegt.
Der letzte Punkt ist uns der wichtigste. Eine Studie lässt sich mit einem Halbsatz zu einer Werbeaussage machen, die sie nie gedeckt hat. Wo uns das selbst fast passiert wäre, steht es unten dabei.
Wer Essen, Bewegung und Gewicht mitschreibt, nimmt mehr ab. Jede der drei Gewohnheiten sagt das Ergebnis für sich genommen vorher. Die Treue sinkt im Lauf der Zeit beim Essen und beim Gewicht – bei der Bewegung nicht.
Obesity Science & Practice · 10.1002/osp4.391
Eine randomisierte Studie stellte volles Kalorienzählen dem bloßen Erfassen kalorienreicher Lebensmittel gegenüber. Die Erwartung war, dass die einfachere Variante die Leute länger dabei hält. Sie tat es nicht:
| Standard | Vereinfacht | p | |
|---|---|---|---|
| Tage mit Eintrag in 6 Monaten | 89,2 | 86,2 | 0,91 |
Was diese Studie nicht sagt. Sie belegt nicht, dass genaues Zählen überflüssig ist. Beim Gewichtsverlust lagen 5,7 % gegen 4,0 %; die Studie war darauf ausgelegt, einen Unterschied von 2 % zu erkennen, beobachtet wurden 1,7 %. „Nicht signifikant“ heißt hier „die Studie war zu klein“, nicht „kein Unterschied“. Die Autoren schreiben selbst, ein Unterschied dieser Größe wäre auf Bevölkerungsebene bedeutsam.
Dazu kommt: Die Stichprobe bestand überwiegend aus hoch gebildeten, weißen Frauen mit kleinen Kindern. Das schränkt die Übertragbarkeit ein.
Brauchbar ist deshalb nur der Befund zur Treue: einfacher machen allein hält niemanden länger dabei.
Obesity · 10.1002/oby.23377 · Volltext gelesen
Fachleute empfehlen, das Mitschreiben zu verkürzen statt abzubrechen: alle Lebensmittel an drei bis vier Tagen pro Woche, mindestens ein Wochenendtag darunter. Der Wochenendtag ist keine Nebensache – an Wochenenden essen Menschen anders, ohne ihn ist es nicht mehr die Empfehlung der Arbeit.
Umsteigen sollte man nach zwei Wochen ohne Einträge (wenn es schwerfällt) oder nach fünf bis zehn Prozent Gewichtsverlust (wenn es läuft).
Obesity Science & Practice · 10.1002/osp4.586
Eine Übersicht über 182 Studien zur Therapietreue im Gewichtsmanagement. Zwei Dinge helfen nachweislich: Selbstbeobachtung und soziale Unterstützung.
Obesity Reviews · 10.1111/obr.70066
96 Freiwillige, zwölf Wochen, je eine selbst gewählte tägliche Handlung im immer gleichen Zusammenhang. Bis 95 % der persönlichen Automatik-Obergrenze erreicht waren, dauerte es 18 bis 254 Tage.
Der nützlichste Satz der Arbeit ist ein anderer: Eine einzelne ausgelassene Gelegenheit beeinträchtigte die Gewohnheitsbildung nicht messbar. Ein verpasster Tag wirft niemanden zurück.
Zu den berühmten „66 Tagen“. Das ist der Median dieser Arbeit, und er steht nicht in der frei zugänglichen Zusammenfassung. Belegt zitierbar ist die Spanne von 18 bis 254 Tagen – die sagt ohnehin mehr aus, weil sie zeigt, wie unterschiedlich Menschen sind.
European Journal of Social Psychology · 10.1002/ejsp.674
142 Teilnehmer führten 24 Wochen lang ein Ernährungstagebuch. Der Zeitaufwand lag im ersten Monat bei 23,2 Minuten am Tag und war im sechsten Monat auf 14,6 Minuten gesunken.
Wichtige Einschränkung. Es ging um eine Webanwendung aus dem Jahr 2019, nicht um eine heutige Handy-App. Belegt ist damit „ein Ernährungstagebuch zu führen kostet viel Zeit“ – nicht „Kalorien-Apps brauchen 23 Minuten am Tag“.
Obesity · 10.1002/oby.22382
74 Erwachsene wurden ein volles Jahr lang Woche für Woche begleitet. Je höher der empfundene Aufwand, desto weniger Tage wurde mitgeschrieben (β = −0,300, p < 0,0001). Wer das Mitschreiben für wichtiger hielt, schrieb an mehr Tagen mit (β = 0,742). Beide Zusammenhänge waren nach dem Ende des Programms stärker als währenddessen – also genau dann, wenn niemand mehr zuschaut.
Obesity Science & Practice · 10.1002/osp4.431 · frei zugänglich
Zwei Themen haben wir uns angesehen und nicht verwendet, weil die Belege dafür nicht tragen:
Aus diesen Arbeiten lässt sich nicht ableiten, dass Exelery beim Abnehmen hilft – das hat niemand untersucht, und wir behaupten es nicht.
Ableiten lässt sich etwas anderes, und daran ist die App gebaut: Mitschreiben wirkt (1), aber der empfundene Aufwand sagt vorher, wer aufhört (7), und einfach nur weniger genau zu zählen löst das nicht (2). Also muss der Aufwand sinken, nicht die Genauigkeit – ein Foto statt zwölf Antipper. Nicht jeden Tag zu schaffen ist dabei kein Scheitern (3, 5), und wer nicht allein bleibt, bleibt länger dabei (4).
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